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Ablauf 2. Seminartag

09:00 Uhr Die Lausitzer Klimakonferenz 2008 (Planspiel - Arbeitsphase)

11:00 Uhr Das Gewässerrandstreifenprojekt – Wellnesskur für den                        Spreewald (Busexkursion mit geführter Wanderung und                        Referat)

12:30 Uhr Mittagessen

13:30 Uhr Beginn des zweiten Teils der Busexkursion Richtung Cottbus

13:35 Uhr Strom aus der Lausitz – die Folgen der Braunkohle-                              verstromung für den Wasserhaushalt der Lausitz (Filmbeitrag)

14:15 Uhr Das schwarze Gold der Lausitz (Referat)

14:50 Uhr Kaffeepause

15:15 Uhr Lakoma - der Kohleabbau und seine lokalen Folgen

16:00 Uhr Oma Kossack - eine Zeitzeugin aus Lakoma berichtet

16:15 Uhr Rückfahrt nach Burg (Spreewald)

17:30 Uhr Mit der Sonne das Lausitzer Klima retten!? – erneuerbare Energien und ihre Potenziale (Referat)

18:00 Uhr Die Lausitzer Klimakonferenz 2008 (Planspiel - Kleingruppenarbeit)

19:00 Uhr Abendessen

20:00 Uhr „Keep cool“ (Brettspiel) oder „Die Schmerzen der Lausitz“ (Filmbeitrag)



Die Lausitzer Klimakonferenz 2008 


In der ersten Arbeitsphase des Planspiels fanden sich die Seminarteilnehmer in ihren jeweiligen Gruppen zusammen und begannen, dass zur Verfügung gestellte Informationsmaterial zu sichten. Die Seminarleitung betreute dabei die verschiedenen Gruppen und gab Hinweise zum Vorgehen. Aufgabe der Gruppen war es zudem sich auf die nachfolgenden Exkursionen vorzubereiten und Fragen für die Referenten zu formulieren, deren Beantwortung ihnen bei der Vorbereitung der Klimakonferenz helfen könnte. 


Das Gewässerrandstreifenprojekt – Wellnesskur für den Spreewald


Zum Beginn der Exkursion wurde den Teilnehmern das Gewässerrandstreifenprojekt als Beitrag zum Klimaschutz vorgestellt. Die Exkursion führte nach Burg/Kauper zu Janks Buschfließ, wo eine Vertreterin der Projektleitung des Gewässerrandstreifenprojektes als Gastreferentin auf die Gruppe wartete. Anhand von Plänen und Bildmaterial wurden zunächst der Hintergrund und die Ziele des Gewässerrandstreifenprojektes im Spreewald erläutert. So habe man zu DDR-Zeiten versucht, viele Flächen landwirtschaftlich nutzbar zu machen und durch Flussbegradigungen das Hochwasser möglichst schnell aus dem Spreewald abzuleiten.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels in der Lausitz und des zunehmenden Wassermangels im Spreewald versucht man heute jedoch, den Wasserhaushalt wieder zu revitalisieren und das Wasser möglichst lange in der Landschaft zu halten. Möglich sei dies beispielsweise durch den Wiederanschluss von Altarmen der Spree, wie im Beispiel von Janks Buschfließ geschehen. Dieser leicht mäandrierende Nebenarm der Spree sorgt nunmehr für eine größere Wassersättigung der Moorböden und verhindert so deren Mineralisation und damit die Freisetzung von CO2. Zudem verbessert sich dadurch die Grundlagen für die Verdunstungskühlung, was wiederum einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leistet.
Hintergrundinformationen

- Internetpräsenz des Gewässerrandstreifenprojektes 
- Memorandum zum Klimawandel 



Strom aus der Lausitz – die Folgen der Braunkohleverstromung für den Wasserhaushalt der Lausitz


Ursprünglich war für diese Einheit ein Referat eines Mitarbeiters des Energiekonzerns Vattenfall geplant. Leider wurde dem Verein mitgeteilt, dass für mehrere Termine keine Person zur Verfügung gestellt werden könnte. Um in Vorbereitung des Planspiels dennoch die Sicht des Energiekonzerns Vattenfall einbringen zu können, wurde ein von Vattenfall zur Verfügung gestelltes Video während der Busfahrt nach Cottbus gezeigt. Unter dem Titel „Kraftwerksstrom und Pegelstände“ wurden die Teilnehmer über die Förderung und Verwendung des Grubenwassers informiert und erfuhren u.a., dass zur Braunkohleverstromung jährlich ca. 100 Mio. m³ Wasser benötigt werden.


Herr Zoepp ergänzte im Anschluss an das Video, dass in den von Vattenfall betriebenen Tagebauen im Jahr 2007 insgesamt 390 Mio. m³ Wasser gehoben wurden. In den Tagebauen Cottbus-Nord und Jänschwalde werden mittels Unterwassermotorpumpen ca. 330 m3 Grundwasser pro Minute gehoben und als Brauchwasser im Kraftwerk Jänschwalde Verwendung findet. Nach erfolgter Reinigung würde es als „Ökowasser“ zur Stabilisierung des regionalen Wasserhaushaltes in die Spree und in schützenswerte Feuchtgebiete geleitet.

Nach Untersuchungen der BTU, so Herr Zoepp, sei das Gebiet, in dem durch den Braunkohleabbau der Grundwasserspiegel gesenkt wurde, in der Lausitz rund 2100 km² groß, eine Fläche, fast dreimal so groß, wie Berlin. Insgesamt betrüge das Grundwasserdefizit dabei in der Lausitz rund 13 Milliarden Kubikmeter.

Hintergrundinformationen


- Wassermanagement bei Vattenfall

-
Pressemitteilung der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH zum Thema


Das schwarze Gold der Lausitz


Am Nachmittag des zweiten Seminartages führte die Busexkursion die Seminarteilnehmer zum neuen Aussichtsturm in Cottbus/Merzdorf am Rand des Tagesbaus Cottbus-Nord. In mehr als 30m Höhe erläuterte Herr Zoepp die technischen Vorgänge beim Abbau der Braunkohle. Mit Verweis auf die umliegende Landschaft beschrieb er, wie zunächst mit dem Absenken des Grundwassers und mit der Beräumung des Tagebauvorfeldes begonnen wird.

Unter Verwendung von Daten des Energiekonzerns Vattenfall nannte Herr Zoepp Zahlen zur jährlichen Kohlefördermenge des Tagebaus (Rohkohlegewinnung 2004: 5,8 Mio. t) sowie zur dafür notwendigen Wasserhebung (Wasserhebung 2004: 72,6 Mio. m3). Anhand von Satellitenbildern und der Braunkohlepläne für die Tagebaue Cottbus-Nord sowie Jänschwalde zeigte Herr Zoepp die bisherige und geplante Entwicklung der beiden Tagebaue. Dabei verwies er auch auf die Inanspruchnahme der Lakomaer Teiche durch den Tagebau Cottbus-Nord sowie auf die von der geplanten Ausweitung des Tagebaus Jänschwalde betroffenen Orte Atterwasch, Grabko und Kerkwitz.

Hintergrundinformationen


- Braunkohlebergbau in der Lausitz 

- Internetpräsenz der Gemeinden Atterwasch, Grabko und Kerkwitz

Lakoma - der Kohleabbau und seine lokalen Folgen

Die nächste Station der Exkursion war das vom Kohleabbau betroffende Dorf Lakoma. In Lakoma wurde die Gruppe von der Gastreferentin Ines Neumann begrüßt. Zunächst stellte sie sich der Gruppe vor und berichtete, dass sie selbst einige Jahre in Lakoma gelebt und im Zuge der Umsiedlung zahlreicher vom Kohleabbau betroffender Orte das „Archiv der verschwundenen Orte“ aufgebaut hat.


Anschließend führte sie die Gruppe durch das einstige Dorf und zeigte anhand von vergrößertem Bildmaterial, wie der Ort vor dem Abriss ausgesehen hatte. Ein Haltepunkt war unter anderem die Stelle, an der das Haus ihrer ehemaligen Nachbarin Frieda stand. Sie berichtete, welch große Bedeutung dieses Haus bzw. der Hof im Leben von Frieda hatte. Nur zwei Monate, nachdem das Haus abgerissen wurde, sei sie verstorben. Auch an den weiteren Stationen veranschaulichte Frau Neumann, wie tragisch sich der Abriss des Dorfes auf das soziale Gefüge der Dorfgemeinschaft ausgewirkt hat.

Hintergrundinformationen


- Internetpräsenz des Lacoma e.V. 
- Internetseite der Grünen Liga zum Braunkohleabbau in der Lausitz 


Oma Kossack - eine Zeitzeugin aus Lakoma berichtet

Im Anschluss an die Führung durch Ines Neumann berichtete Frau Kossack (85), wie sie die Entwicklung des Ortes Lakoma seit ihrer Kindheit erlebt hat. So erzählte sie von der einst lebendigen sorbischen Kultur im Dorf, bei der auch das Sprechen der sorbischen Sprache und das Tragen der traditionellen Trachten fester Bestandteil des Alltags war. Der Hammergraben mit den alten Eichen sei seit ihrer Kindheit ein Ort von besonderer Bedeutung gewesen, früher zum Baden und Schwimmen genutzt, später dann ein Ort für Ruhe und Erholung.

Im weiteren berichtete sie von anderen Dorfbewohnern, die aufgrund der Braunkohlepläne in den 1980er Jahren nach und nach ihre Höfe in Lakoma verließen und bspw. in den neu entstandenen Stadtteil Cottbus-Schmellwitz gezogen seien. Viele von ihren ehemaligen Bekannten seien mit dieser Veränderung jedoch nicht klar gekommen und starben frühzeitig. Die schrittweise Zerstörung ihrer Heimat Tag für Tag miterleben zu müssen sei auch für sie nur schwer zu verkraften.


Mit der Sonne das Lausitzer Klima retten!? - Erneuerbare Energien und ihre Potenziale


Da der Ausbau der erneuerbaren Energien als Beitrag zum Klimaschutz inzwischen von der Bundes- und Landesregierung gefordert wird, sollten die Teilnehmer in dieser Einheit eine kurze Einführung in die Grundlagen der erneuerbaren Energien (EE) erhalten. Mit Hilfe eines kurzen Videoclips, der das enorme Energiepotenzial der Sonne verdeutlicht, stieg Herr Zoepp in die Präsentation ein. Auf Grundlage der von der Bundesregierung gestarteten Informationskampagne „Deutschland hat unendlich viel Energie“ stellte er zunächst die globalen Energiepotenziale im Vergleich zu den noch bestehenden fossilen Energiereserven dar.

Im weiteren Verlauf stellte er dar, dass bei der Erzeugung von einer kw/h Strom aus Braunkohle ca. 1.200g CO2 anfallen, bei der Erzeugung der selben Menge Strom aus Windenergie hingegen nur 23g CO2. Durch die weitaus geringeren CO2-Emissionen seien EE daher ideal geeignet, einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Durch EE seien in Deutschland allein im Jahr 2006 bereits über 100 Mio. t CO2 vermieden worden.

Mit Blick auf die wirtschaftlichen Potenziale der EE zeigte Herr Zoepp, dass im Bereich der Windenergienutzung ein großes Wachstum zu erwarten ist. So hätten sich zwischen 2004 (6,6 Mrd. €) und 2007 (19,9 Mrd. €) die weltweiten Umsätze in diesem Bereich fast verdreifacht, wobei die Deutsche Windindustrie allein gut ein Drittel des Gesamtumsatzes generiert (2007: 6,3 Mrd. €). Anschließend ging Herr Zoepp auf Brandenburg und die Lausitz ein und stellte aktuelle Investionsvorhaben im Bereich EE vor. Als Beispiele nannte er das geplante Solarkraftwerk Turnow-Preilack (ca. 180 Mio. €) sowie das Unternehmen „Precision Coating“, das künftig in Forst Solarglas speziell beschichten möchte und dafür eine Investition von 30 Millionen Euro plant. Zum Schluss präsentierte Herr Zoepp verschiedene Szenarien über den möglichen Ausbau der EE in Brandenburg. Demnach könnte das von der Landesregierung gesteckte Ziel, bis 2020 20% des Primärenergieverbrauchs aus EE zu decken, durchaus erreicht werden. Dies sei jedoch nur über eine große Effizienzsteigerung zu erreichen, da die aktuell bereitgestellte Energiemenge aus fossilen Energieträgern nicht 1:1durch EE ersetzt werden könne.

Hintergrundinformationen

- Internetpräsenz der Agentur für Erneuerbare Energien 
- TV-Spot „The Power of Wind“ 



Die Lausitzer Klimakonferenz 2008 (Arbeitsphase)

Im Anschluss an die Einführung zu den EE waren die Teilnehmer aufgefordert, in den jeweiligen Kleingruppen die Informationen aus der Exkursion und der eben gehörten Präsentation in die Vorbereitung der Klimakonferenz einfließen zu lassen. Während der Gruppenarbeit betreuten Herr Zoepp und die Seminarassistenz erneut die Teilnehmer.

Keep cool / Die Schmerzen der Lausitz

Nach dem Abendessen bot die Seminarleitung auf freiwilliger Basis die Möglichkeit, das vom PIK konzipierte Brettspiel „Keep cool“ auszuprobieren. Dieses Spiel simuliert auf internationaler Ebene die Problematik, wirtschaftliche Entwicklung und Klimaschutz miteinander zu vereinbaren.
Als Alternative zum Spiel wurde der Dokumentarfilm „Die Schmerzen der Lausitz“ angeboten. In diesem in der Wendezeit entstandenen Film werden die lokalen Auswirkungen des Braunkohleabbaus in der Lausitz thematisiert und Fragen zum Konsumdenken in der Gesellschaft aufgeworfen.
Hintergrundinformationen

- Internetpräsenz zum Spiel „Keep cool“ 
- Kurzporträt des Films „Schmerzen der Lausitz“

- Bestellmöglichkeit des Films